In diesem Kapitel gehen wir auf die weiteren Anwendungen des Prinzips vom zureichenden Grunde in der Physik bei Du Châtelet ein. Das erste Unterkapitel erläutert, warum Du Châtelet Ausdehnung und Kraft als wesentliche Bestimmungen der Materie und der materiellen Körper versteht. Du Châtelets Erklärung, dass die Kraft eine Wesensbestimmung der Materie ist, entspricht ihrer Bestimmung des Prinzips vom zureichenden Grunde. Allerdings führt Du Châtelet die Tatsache, dass Kraft und Ausdehnung gemeins…
Read moreIn diesem Kapitel gehen wir auf die weiteren Anwendungen des Prinzips vom zureichenden Grunde in der Physik bei Du Châtelet ein. Das erste Unterkapitel erläutert, warum Du Châtelet Ausdehnung und Kraft als wesentliche Bestimmungen der Materie und der materiellen Körper versteht. Du Châtelets Erklärung, dass die Kraft eine Wesensbestimmung der Materie ist, entspricht ihrer Bestimmung des Prinzips vom zureichenden Grunde. Allerdings führt Du Châtelet die Tatsache, dass Kraft und Ausdehnung gemeinsam das Wesen der Materie ausmachen auf einfache Seiende zurück, was ihrer Wesenslehre und ihrer Bestimmung des Prinzips vom zureichenden Grunde widerspricht und in diesem Unterkapitel erneut problematisiert wird. Im zweiten Unterkapitel machen wir Du Châtelets Anwendung des Prinzips vom zureichenden Grunde im Kontext der Frage nach der Teilbarkeit der Materie und der materiellen Körper zum Gegenstand. Im dritten Unterkapitel wird gezeigt, dass Du Châtelet die Bewegungsgesetze Newtons auf das Prinzip vom zureichenden Grunde bezieht und erläutert, dass Du Châtelet damit versucht zu zeigen, dass Newtons Bewegungsgesetze und die durch diese behaupteten Kräfte nicht „mystisch“ oder „okkult“ sind, sondern legitime und wissenschaftlich bestimmte Ursachen der Bewegung, die wir in den Körpern beobachten können. Im vierten Unterkapitel gehen wir auf Du Châtelets Behandlung von Newtons Anziehungskraft ein und zeigen, dass Du Châtelet hier auf ein Problem stößt: die Anziehungskraft ist nicht in den materiellen Körpern, weil sich derselbe Körper unter anderen Umständen anders verhält, sie ist aber auch nicht außerhalb der materiellen Körper, weil nicht auf die Körper eingewirkt wird. Die Anziehungskraft ist auch keine Eigenschaft der Materie als homogene Masse, weil es einzelne, d. i. verschiedene, materielle Massen sind, die sich anziehen. Du Châtelet ist daher nicht klar, wovon die Anziehungskraft eine Bestimmung oder Eigenschaft ist, d. i. worin die Anziehungskraft gründet und wodurch sie erklärbar ist. In Bezug auf das Prinzip vom zureichenden Grunde stellt sich im Kontext der Anziehungskraft desweiteren für sie die Frage, warum sich ein einzelner Körper so bewegt, wie er sich bewegt und nicht anders. Die Frage ist nicht in Bezug auf den einzelnen Körper beantwortbar. Das Problem wird erst durch die Relativitätstheorie gelöst.