Die Beiträge dieses Bandes widmen sich einer bisher wenig erforschten, aber philosophisch hochbedeutsamen Phase in Schellings Werkgeschichte: seiner letzten und tiefgreifend revidierten Spätphilosophie ab 1846 und damit deutlich nach den Berliner Vorlesungen zur Philosophie der Offenbarung (1841-44). In Kenntnis nur der letzteren bescheinigten bereits zeitgenössische Kritiker Schellings Spätphilosophie einen Rückfall seiner philosophischen Systemanstrengungen hinter die von Kant gesetzten kritis…
Read moreDie Beiträge dieses Bandes widmen sich einer bisher wenig erforschten, aber philosophisch hochbedeutsamen Phase in Schellings Werkgeschichte: seiner letzten und tiefgreifend revidierten Spätphilosophie ab 1846 und damit deutlich nach den Berliner Vorlesungen zur Philosophie der Offenbarung (1841-44). In Kenntnis nur der letzteren bescheinigten bereits zeitgenössische Kritiker Schellings Spätphilosophie einen Rückfall seiner philosophischen Systemanstrengungen hinter die von Kant gesetzten kritischen Maßstäbe zulässiger Metaphysik. Demgegenüber richtet der Band die Aufmerksamkeit entschieden auf jene erst danach einsetzende, allerspäteste Werkphase Schellings und arbeitet anhand der ihr zugehörigen Texte eine klar strukturierte Revision seiner Philosophie heraus, die nunmehr auf eine der kantischen Kritik zugleich genügende, obwohl sie dennoch methodisch gerechtfertigt hinter sich lassende, theoretische Metaphysik zielt. Für diese letzte Werkphase als maßgeblich zu nehmen ist Schellings späteste Arbeit die _Darstellung der reinrationalen Philosophie_, die daher auch im Zentrum dieses Bandes steht. Die Beiträge des Bandes rekonstruieren die Züge dieser philosophischen Revision in drei zentralen Themenfeldern: (1) der erkenntnistheoretischen Entlastung der Vernunft von der Zuständigkeit für Gotteserkenntnis, (2) der Adressierung metaphysischer Fragestellungen ausgehend von einem geschichtlichen Bewusstsein, (3) der philosophisch-wissenschaftlichen Aufarbeitung der Religion als eine eigenständige Entwicklungslinie des menschlichen Bewusstseins. Zudem (4) präsentiert dieser Band einen bisher nicht edierten Brief- den »Vermächtnisbrief« -, in dem Schelling entscheidende philosophische Festlegungen seiner spätesten Philosophie an seinen Sohn (und Editor) vermittelt. Der »Vermächtnisbrief« wird hier erstveröffentlicht und in zwei Beiträgen philosophisch ausgewertet. In vier Abteilungen werden die Grundlinien dieser Philosophie als moderne, selbstkritische Metaphysik entfaltet, die über das idealistische Zeitalter hinausweist und auch im heutigen Denken fruchtbar gemacht werden kann.