Im Rahmen der sogenannten „nachhaltigen Familienpolitik“ der 2000er-Jahre in Deutschland wurden mehrere Reformen umgesetzt, wie etwa das einkommensabhängige Elterngeld oder der Ausbau der Kindertagesbetreuung. Diese Maßnahmen stellen nicht nur einen Bruch mit der konservativen Wohlfahrtsstaatspolitik und dem Ernährer-Hausfrau-Modell dar, sie zogen auch einen maßgeblichen institutionellen und transferleistungsbezogenen Ausbau familienpolitischer Leistungen in Zeiten neoliberalen Abbaus von Sozial…
Read moreIm Rahmen der sogenannten „nachhaltigen Familienpolitik“ der 2000er-Jahre in Deutschland wurden mehrere Reformen umgesetzt, wie etwa das einkommensabhängige Elterngeld oder der Ausbau der Kindertagesbetreuung. Diese Maßnahmen stellen nicht nur einen Bruch mit der konservativen Wohlfahrtsstaatspolitik und dem Ernährer-Hausfrau-Modell dar, sie zogen auch einen maßgeblichen institutionellen und transferleistungsbezogenen Ausbau familienpolitischer Leistungen in Zeiten neoliberalen Abbaus von Sozialstaatlichkeit nach sich. Vorliegender Beitrag fokussiert auf die bevölkerungspolitischen Implikationen einer solchen Politik und analysiert diese im Anschluss an Michel Foucault und feministische Debatten zur sozialen Reproduktion als biopolitische Regulierung sozialer Reproduktionsverhältnisse. Anhand einer Diskursanalyse zentraler Gutachten und Studien, die der nachhaltigen Familienpolitik zugrunde liegen, werden die artikulierten Probleme, neue familiale Weiblichkeits- und Männlichkeitsbilder sowie die darin eingelagerten neuen rassistischen und klassistischen Ungleichheitsverhältnisse herausgearbeitet. Zugleich und im Rahmen des biopolitischen Fokus auf die Humankapitalproduktion wird Familie vor allem in ihren reproduktiven Potenzialen und als Bildungsinstitution adressiert. Dies hat auch eine Neuaushandlung der Grenzziehung zwischen öffentlich und privat zur Folge.