Dieser Aufsatz entwickelt eine formale Definition des Begriffs „Freier Wille“ in Abgrenzung zur naturgesetzmäßigen Zustandsentwicklung des Gehirns. Um eine direkte Inkonsistenz dieser Definition auszuschließen, wird argumentiert, dass weder ein deterministisches System noch die Hinzunahme stochastischer Prozesse (Zufall) eine frei-gewillte Entscheidung hervorbringen können. Es wird gezeigt, dass stochastische Prozesse zersetzende Wirkung auf frei-gewillte Entscheidungen entfalten, sowie auf verw…
Read moreDieser Aufsatz entwickelt eine formale Definition des Begriffs „Freier Wille“ in Abgrenzung zur naturgesetzmäßigen Zustandsentwicklung des Gehirns. Um eine direkte Inkonsistenz dieser Definition auszuschließen, wird argumentiert, dass weder ein deterministisches System noch die Hinzunahme stochastischer Prozesse (Zufall) eine frei-gewillte Entscheidung hervorbringen können. Es wird gezeigt, dass stochastische Prozesse zersetzende Wirkung auf frei-gewillte Entscheidungen entfalten, sowie auf verwandte Probleme der Emergenz des Freien Willens hingewiesen. Im zweiten Teil werden die prominentesten philosophischen Rettungsversuche dekonstruiert. Die Grundsatzposition des Kompatibilismus wird mit dem Beispiel des blinden Lenkrads als Kategorienfehler zurückgewiesen, da er Urheberschaft ignoriert. Des Weiteren wird eine Unverträglichkeit des Kompatibilismus mit der Viele-Welten-Theorie aufgezeigt. Ebenso wird dargelegt, dass moderne Spielarten des Dualismus, wie der Interaktionismus, die physikalische Kausalität verletzen und folglich auf ein Argument aus Unwissenheit zurückfallen. Abschließend beleuchtet der Text die Implikationen dieser Erkenntnis. Es wird dargelegt, dass die Aufgabe des metaphysischen Konzepts des Freien Willens keineswegs das Ende der gesellschaftlichen Ordnung oder des Strafvollzugs bedeutet, sondern im Rahmen pragmatischer Abschreckung und gesellschaftlicher Praxis rational handhabbar bleibt.